Autonomes Fahren Lenkrad Armaturen

Autonomes Fahren: Roboterautos im Diskurs

Autonomes Fahren – dieses Thema polarisiert. Der Internetkonzern Google liefert sich mit zahlreichen Autobauern ein Kopf-an-Kopf-Rennen mit der Markteinführung der ersten selbstfahrenden Autos. Auch wenn so manches Forschungsfahrzeug die genormten Versuchsstrecken erfolgreich bewältigt – autonomes Fahren abseits der Teststrecke ist derzeit noch eher Utopie als Realität. Wie gefällt Ihnen die Vorstellung, einem Bordcomputer die Kontrolle zu überlassen und morgens gemütlich Zeitung zu lesen, während Ihr Roboterauto Sie durch den Stadtverkehr zur Arbeit bringt?

Autonomes Fahren: Google in Pole Position

„Das Ding sieht aus wie ein depressiver Koalabär, fährt von selbst und hat kein Lenkrad“, so Niklas Maak von der FAZ über das Forschungsfahrzeug von Google. Doch der Reihe nach: Im Dezember 2011 wurde öffentlich bekannt, dass der Internetkonzern nach intensiver Forschung am Roboterauto für sein Forschungsfahrzeug ein Patent angemeldet hatte – bei den Testfahrten war allerdings noch ein Fahrer an Bord. Ab Mai 2014 entwickelte der Konzern schließlich ein Roboterauto mit Elektroantrieb und schickte dieses Forschungsfahrzeug ganz ohne Lenkrad, Bremse und Gaspedal auf die Teststrecke. Doch auch die großen Autobauer arbeiten mit Vollgas am Roboterauto – für Konzerne wie Daimler, Audi, Nissan, Volvo, Renault oder Toyota ist autonomes Fahren ein großes Zukunftsthema. Künftig sollen auch in Deutschland Versuchsstrecken für das Roboterauto genehmigt werden: Eine Teststrecke ist etwa auf der A9 geplant, auch Baden-Württemberg will die A81 als Teststrecke für autonomes Fahren zur Verfügung stellen.

Hier einmal ein Video, wie Google autonomes Fahren in der Stadt zeigt:

Wie funktioniert autonomes Fahren?

Neuheiten wie die Start Stopp Automatik, 3D Kennzeichen oder Fernsteuerung von Autos über das iPhone sind nun schon länger nicht mehr Fokus-Thema. Stattdessen nimmt autonomes Fahren mehr Einzug in die technische Automobilwelt. Detaillierte Daten über die Umwelt, die eigene Position und Geschwindigkeit sowie über das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer sind die Grundvoraussetzung für autonomes Fahren. Von den Versuchsstrecken werden daher hochauflösende Karten angefertigt, bevor das Forschungsfahrzeug zum ersten Mal auf die Teststrecke geschickt wird. Das Roboterauto selbst verfügt über ein GPS-Modul, eine Kamera hinter der Windschutzscheibe sowie zahlreiche Sensoren, die ein Echtzeit-Abbild der Umgebung – inklusive anderer Verkehrsteilnehmer – anfertigen.

Autonomes Fahren bedeutet für den Fahrer, das Lenkrad nicht mehr selbst steuern zu müssen (c) iStock.com / konradlew

Autonomes Fahren Lenkrad Armaturen

Bei Googles Forschungsfahrzeug tasten 64 fest angeordnete Laser die Umgebung ab und anhand der Laufzeit und Geschwindigkeit des zurückgestreuten Lichts errechnet der Bordcomputer Informationen über die Umgebung. Wie sich das Roboterauto in Echtzeit-Situationen verhält, legen komplexe Algorithmen fest – doch in vielen alltäglichen Situationen ist das Forschungsfahrzeug bislang überfordert.

Das Roboterauto hat noch einen langen Weg vor sich

Für 2020 sind sinkende Kosten angesetzt, um autonomes Fahren bezahlbar zu machen. Dennoch fallen für das selbstfahrende Auto erhebliche Kosten an, beginnend beim GPS-System bis hin zum Lidar-Sensor. Aber nicht nur die Kosten stellen derzeit noch ein Problem dar, sondern auch äußere Einflüsse im Straßenverkehr. Bis autonomes Fahren abseits der Versuchsstrecken möglich ist, müssen noch gewaltige Herausforderungen bewältigt werden:

  • Witterungsbedingungen

    Bei Schneefall oder Starkregen wurde das Forschungsfahrzeug von Google noch nicht auf die Teststrecke geschickt. Auch das Einparken klappt für autonomes Fahren noch nicht tadellos.

  • Ampelfarben

    Bei direktem Gegenlicht fällt es dem Forschungsfahrzeug schwer, Ampelfarben zu erkennen. Komplizierte Baustellen verwirren zudem den Bordcomputer vollends.

  • Polizeianweisungen

    Auch Anweisungen von Polizisten befolgt das Roboterauto bis dato noch nicht.

  • Lernfähige Elektronik

    Eine lernfähige Elektronik, die mit anderen Fahrzeugen vernetzt ist und Informationen austauscht, ist bei jedem bisher entwickelten Forschungsfahrzeug noch Zukunftsmusik.

  • Ethische Fragen

    Nicht zuletzt wirft autonomes Fahren ethische Fragen auf: Wie soll das Roboterauto in Dilemmasituationen reagieren, etwa wenn ein Kind auf die Fahrbahn läuft und zugleich Schwerverkehr entgegenkommt? Soll autonomes Fahren primär die Insassen oder schwächere Verkehrsteilnehmer schützen? Das Forschungsfahrzeug von Google war bisher zumindest nicht in Unfälle mit Personenschaden verwickelt.

Eine schrittweise Entwicklung hin zum autonomen Fahren

Realistisch betrachtet, wird es noch etliche Jahre dauern, bis autonomes Fahren abseits der Versuchsstrecken Realität wird. Die Entwicklung hin zum Roboterauto wird vermutlich schrittweise erfolgen, Fahrerassis- tenzsysteme werden mehr und mehr den Menschen entlasten. Googles Forschungsfahrzeug wurde auf Versuchsstrecken mit körperlich beeinträchtigten Personen getestet – für diese könnte autonomes Fahren echte Vorteile bieten. Ein weiterer Pluspunkt: Beim Roboterauto besteht keine Gefahr von Sekundenschlaf, Alkohol am Steuer und reagiert in Stresssituationen nicht emotional.

Für körperlich beeinträchtigte Personen kann autonomes Fahren durchaus hilfreich sein (c) iStock.com / AlexRaths

Autonomes Fahren Rollstuhl Fahrer

Autonomes Fahren könnte daher – so argumentieren Befürworter – sogar sicherer sein, eine entsprechend entwickelte Technologie vorausgesetzt. Und nicht zuletzt könnten wir die Zeit, die wir im Auto verbringen, besser nutzen: um zu lesen, mit den Kinder zu spielen, E-Mails zu bearbeiten – oder um zu googeln.

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