Loryc Typenschild Oldtimer

Loryc – Wiedergeburt einer Automarke aus den 1920ern

Loryc? Nie gehört? So ging es auch dem deutschen Erfinder Karl-Heinz „Charly“ Bosch, als er vor ein paar Jahren auf der Suche nach einem passablen Oldtimer auf den Loryc stieß. 2013 erwarb er die Markenrechte und ließ inzwischen mit dem Loryc Electric Speedster auf der Baleareninsel eine Automarke auferstehen. Wie kam es dazu?

Die kurze Geschichte des Loryc

Kurz, aber heftig – das beschreibt wohl die Geschichte des Loryc. Im Jahre 1920 als erste und bislang auch einzige Automarke Mallorcas gegründet, erfolgte bereits 1925 die Pleite. Zwischendrin ein paar aufregende Jahre. Der Name setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Gründer zusammen: Lacy, Ouvrard, Rivas, Cia – plus dem Y (für spanisch „und“). Man baute um die 120 Wagen, stieg schnell, wie damals üblich, in den Motorsport ein. Daraus resultierte sogar ein dritter Platz in Le Mans beim Großen Preis von Frankreich. „La Sardina“ wurden die kleinen Flitzer genannt, weil sie in ihrer Form einer Ölsardinendose glichen.

Auf dem Höhepunkt der Nachfrage erweiterte man 1923 die Produktion auf 60 Mitarbeiter. Zwei Jahre später endete die Erfolgsgeschichte. Es gab Probleme bei der Materialbeschaffung vom Festland. Diese Einfuhrbeschränkungen durch Zulieferer aus Frankreich führten zu finanziellen Problemen und 1925 direkt in die Pleite. Loryc geriet selbst bei den Mallorquinern in Vergessenheit; sechs Fahrzeuge soll es aktuell noch geben: vier auf Mallorca, zwei auf dem benachbarten Menorca.

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Rückkehr einer Traditionsmarke

Der auf Mallorca lebende Auswanderer Bosch kaufte 2013 eines dieser letzten Exemplare unter der Prämisse des Verkäufers, den Oldtimer auf der Insel zu belassen. Da ihm zwei Motorschäden den Fahrspaß verleideten, rüstete er seinen Loryc mit Elektroantrieb aus. Der Wunsch, die Automarke wieder aufleben zu lassen, veranlasste Bosch zum Erwerb der Markenrechte. Nachdem er die Überlegungen verwarf, den Loryc industriell fertigen zu lassen, beschloss er, die Fertigung in Eigenregie zu übernehmen.
Das Ergebnis ist der Loryc Electric Speedster, inklusive Aluminiumkarosserie, Gewindefahrwerk, Borrani Speichenfelgen und analogen Zeigerinstrumenten, gefertigt in 1.200 Stunden Handarbeit. Der Speedster schnurrt mit 20 PS bei 800 kg Leergewicht (davon entfallen 350 kg auf die Batterie). Die Reichweite beträgt 260 km, so dass man auf Mallorca jeden Ort anfahren kann – inklusive Rückfahrt.

Wer Lust hat, kann den Fahrspaß direkt einmal buchen und sogar selbst Hand anlegen bei der Produktion; etwa mit dem Holzhammer die Karosseriebleche in Form hauen. Und wer dann auf den Geschmack gekommen ist, kann sich den Loryc auch für heimische Gefilde bestellen, denn der Wagen darf dank europäischer Typgenehmigung in jedem Land der EU zugelassen werden. Die Anschaffungskosten liegen bei 120.000 €.